Ergebnis: Etwa 82 % der Gebäude werden mit fossilen Brennstoffen (Gas und Öl) beheizt – deutlich mehr als im Bundesschnitt. Wärmepumpen spielen mit 5,1 % noch eine untergeordnete Rolle.
Öffentliche Gebäude machen 13,1 % des Wärmebedarfs aus – überdurchschnittlich hoch (Kreisstadt). Das ist zugleich ein direkter Hebel für die Stadt als Eigentümerin.
Gebäudestruktur und THG-Emissionen nach Sektor
Sektor
Gebäude
Anteil Wärmebedarf
THG-Emissionen
Anteil Emissionen
Wohngebäude
2.878
50,8 %
18.040 t CO₂-Äq.
51 %
GHD (Gewerbe, Handel, DL)
~1.714
27,4 %
9.904 t CO₂-Äq.
28 %
Öffentliche Gebäude
~476
13,1 %
4.245 t CO₂-Äq.
12 %
Industrie
~95
8,9 %
3.183 t CO₂-Äq.
9 %
Schlüsselbefund: 71 % der Wohngebäude wurden vor 1979 errichtet – vor Einführung jeglicher Wärmeschutzstandards. 42,6 % fallen in die schlechtesten Energieeffizienzklassen F, G oder H. Das bestehende Fernwärmenetz (5 km Länge, 42 Gebäude, envia THERM GmbH) versorgt derzeit nur 1,1 % der Gebäude, hat aber erhebliches Ausbaupotenzial.
Gesamtpotenzial Wärme: 357,9 GWh/Jahr – das ist das 2,6-Fache des heutigen Gesamtwärmebedarfs (136,8 GWh/a). Eine vollständige erneuerbare Wärmeversorgung ist bilanziell möglich.
Strompotenziale (GWh/Jahr) – indirekte Unterstützung der Wärmewende
PV-Strom treibt Wärmepumpen an – damit wächst die Stromerzeugung zur indirekten Wärmequelle. Bei Windkraft bestehen Höhenbeschränkungen (Einzelfallprüfung erforderlich).
Überblick aller nutzbaren Potenziale (Tabelle)
Energiequelle
Strom (GWh/a)
Wärme (GWh/a)
Einschätzung
Luftwärme (Wärmepumpen)
—
127,5
Hauptquelle dezentral
PV-Freiflächen
166,8
—
Ausbau sinnvoll
PV-Dachanlagen
134,4
—
Ausbau sinnvoll
Solarthermie Freifläche
—
78,7
Für Wärmenetz geeignet
Biomasse
—
69,2
Für Wärmenetz geeignet
Oberflächennahe Geothermie
—
59,5
Dezentrale WP-Unterstützung
Solarthermie Dach
—
23,0
WP-Unterstützung
Windkraft
15,8
—
Einzelfallprüfung
Tiefengeothermie
—
k. A.
Mittelfristig unwahrsch.
Abwasserwärme / Abwärme
—
≥ 1,7
Kein wirtsch. Potenzial
Heizungsmix 2025 vs. 2045 – Szenariovergleich
ErdgasHeizölWärmepumpeWärmenetzSonstige
Abwägung der drei zielkonformen Szenarien
Kriterium
S3: Wärmenetz
S4: Dezentral
S5: Grüne Gase (Biomethan)
Gesetzliche Priorität (WPG)
Hoch – explizit gefördert
Erfüllt
Erfüllt
Kostenrisiko
Hoch (Infrastruktur), aber planbar
Hoch (Einzelinvestitionen)
Sehr hoch (Biomethanknappe Ressource)
Steuerbarkeit
Hoch – zentral planbar
Gering (dezentral)
Gering (Marktabhängig)
Bestehende Infrastruktur
Ja – 5 km Netz vorhanden
Nein – Stromnetz muss ausgebaut werden
Teilweise
Empfehlung (Zielszenario S3): Ausbau des bestehenden Fernwärmenetzes in der Kernstadt, Einbindung von Biomasse- und Solarthermiequellen, kombiniert mit Wärmepumpen in nicht erschließbaren Außenbereichen. Netzentgelte der Gaskunden werden bis 2045 stark steigen – ein weiteres Argument für den frühzeitigen Umstieg.
01
KPI-Ampel mit Fortschrittsanzeige und Zeithorizont
Sechs bis acht Schlüsselindikatoren – CO₂-Emissionen, fossiler Gebäudeanteil, Sanierungsrate, Wärmenetzanschlussgrad, EE-Anteil, Netzentgeltentwicklung – werden als farbkodierte Kacheln dargestellt. Rot/Gelb/Grün (Ampelprinzip) signalisiert Handlungsbedarf auf einen Blick. Ein Zeitstrahl zeigt den Pfad vom Ist-Stand (2023/2025) zu den Meilensteinen 2030, 2035, 2040 und 2045. Jede Kachel verlinkt auf einen Detailbericht.
Interaktiver Sektorenvergleich mit Einsparschieberegler
Jeder Sektor (Wohnen, GHD, Öffentlich, Industrie) wird mit seinem CO₂-Anteil, dem Einsparpotenzial und konkreten Maßnahmen auf einer Karte dargestellt. Zwei interaktive Schieberegler erlauben das Durchspielen verschiedener Sanierungsraten (z. B. 1 % vs. 2 % pro Jahr) und Heizungsumstellungsgeschwindigkeiten – die verbleibenden Emissionen im Jahr 2045 aktualisieren sich in Echtzeit.
Mein-Kiez-Tool: Wärmeversorgung nach Adresse oder Ortsteil
Bürgerinnen und Bürger geben ihre Adresse (oder wählen ihren Ortsteil) ein und erhalten drei Informationen: (a) ob ihr Baublock als Wärmenetz-Eignungsgebiet, Wärmepumpen-Gebiet oder Übergangsgebiet eingestuft ist, (b) die voraussichtliche Versorgungsform bis 2035 gemäß Zielszenario S3, (c) passende Förderprogramme (BEW, BEG, KfW) und lokale Beratungsangebote. Datenbasis: Baublockklassifikationen und Eignungsstufen aus dem vorliegenden Bericht.
Alle drei Best Practices teilen dieselben Designprinzipien: eine Zahl pro Kachel (keine Tabellen in der Übersicht), Farbe kodiert Dringlichkeit – nicht Ästhetik –, und jede Ansicht endet mit einem klaren nächsten Schritt (Beratung, Förderantrag, Stadtratsbeschluss).
Hinweis zur Datenlage: Für ca. 45 % der Feuerungsstätten fehlen Angaben zum Baujahr (unvollständige Kehrbuchdaten). Energiebedarfe von Nicht-Wohngebäuden ohne Netzanschluss sind modellbasiert berechnet. Das Dashboard zeigt daher Größenordnungen und Trends – keine exakten Messwerte. Eine Fortschreibung der Wärmeplanung ist gemäß WPG alle fünf Jahre vorgesehen. Erste Fortschreibung: voraussichtlich 2030.