Herzberg (Elster) verlor in 26 Jahren rund 2.225 Einwohner (-19,9 %). Was treibt diesen Rückgang? Wie verändern sich Geburten, Sterbefälle, Wanderungen und Altersstruktur gleichzeitig?
Bevölkerung 2000
11.168
Anfangsbestand
Bevölkerung 2026
8.943
Endbestand April 2026
▼ -2.225 / -19,9 %
Geburten 2000
73
vs. 128 Sterbefälle → Saldo -55
Geburten 2023
44
vs. 163 Sterbefälle → Saldo -119
Historisches Minimum
Ausländer 2000
55
0,5 % der Bevölkerung
Ausländer 2026
801
9,0 % der Bevölkerung
▲ +1.356 % in 26 Jahren
Nat. Wanderungssaldo
-2.166
Kumuliert 2000–2025
Dauerhaft negativ
Haushalte 2000→2026
-3.836
9.706 → 5.870 (-39,5 %)
Stärker als Bev.-Rückgang
Bevölkerungsentwicklung 2000–2026
Endstand je Jahr - Gesamtbevölkerung vs. Ausländeranteil
Natürliche Bevölkerungsbewegung
Geburten vs. Sterbefälle 2000–2026 - kumulativer Verlust sichtbar
Wanderungssaldo 2000–2026
Zuzüge minus Wegzüge - positiv = Gewinn, negativ = Verlust
Haushalte & Familien mit Kindern
Gesamthaushalte vs. Haushalte mit 1+ Kind - gegenläufige Trends
Vollständige Jahresdaten 2000–2026
Schritt 2
Explorative Analyse (EDA)
Vertiefende Untersuchung der Muster und Dynamiken. Welche Altersgruppen schrumpfen am stärksten? Wie entwickeln sich Nationalitäten? Wann wurde das System durch Zuwanderung stabilisiert?
Kinder 0–6 Jahre vs. Schulanfänger (t+5)
Kita-Alterskohorte heute → Schulanfänger in ~5 Jahren
Altersstruktur: Kinder (0–18) vs. Senioren (65+)
Deutliche Verschiebung zur älteren Bevölkerung
Beobachtung Demografischer Wandel: Die Gruppe der 0–3-Jährigen sank von 208 (2000) auf 159 (2023) - ein Rückgang von 23,6 %. Gleichzeitig wächst die Seniorengruppe 65+. Das Verhältnis Kinder/Senioren verschlechtert sich strukturell: 2000 kamen auf jeden Senior noch ~2 Schulkinder, 2026 weniger als 1.
Ausländische Bevölkerung nach Herkunft (2026)
Zusammensetzung nach Top-Nationalitäten - 801 Ausländer gesamt
Ukraine & Afghanistan - Zuzugswellen 2014–2026
Fluchtmigration als Haupttreiber des Ausländerzuwachses
Zwei Zuwanderungswellen: (1) 2014–2016: Afghanistan-Zuzug (+70 Personen). (2) 2022–2026: Ukraine-Zuzug (+195 Personen). Beide Wellen stabilisierten die Gesamtbevölkerung vorübergehend - ohne sie wäre Herzberg unter 8.500 Einwohner gesunken. Die Frage ist: Wie lange halten diese Gruppen an?
Zuzüge und Wegzüge 2000–2026
Wanderungskomponenten im Zeitverlauf
Bevölkerungssaldo-Zerlegung
Natürlicher Saldo + Wanderungssaldo = Gesamtsaldo
Wanderungsmuster: 2003 und 2016 waren Ausreißerjahre mit hohen Zuzugszahlen (512 bzw. 631). 2016 erklärt sich durch Flüchtlingszuzug. 2003 möglicherweise durch Wohnortwechsel innerhalb der Region. Beide Jahre dämpften den Bevölkerungsrückgang kurzfristig. Die strukturelle Unterdeckung (Geburten < Sterbefälle) blieb in jedem einzelnen Jahr bestehen.
Steigende HH mit 1 Kind trotz sinkender Gesamtbevölkerung
Paradoxer Befund Haushalte mit Kindern: Trotz sinkender Gesamtbevölkerung steigen Haushalte mit 1 Kind von 155 (2000) auf 423 (2026). Erklärung: Die Daten spiegeln Haushalte mit minderjährigen Kindern wider - die wachsende Ausländerbevölkerung hat einen höheren Kinderanteil. Gleichzeitig fragmentieren sich Haushalte (mehr Alleinerziehende, mehr Ein-Eltern-HH). Das Verhältnis Haushalte/Einwohner sinkt von 0,87 auf 0,66.
01
Drei-Phasen-Schrumpfung
Phase 1 (2000–2008): Schneller Rückgang -1.192 EW. Phase 2 (2008–2015): Verlangsamung -759 EW. Phase 3 (2016–heute): Stabilisierung durch Zuzug, Nettoabnahme nur -274 EW in 11 Jahren. Ohne Ausländerzuzug wäre Herzberg unter 8.300 gesunken.
02
Geburten: Historischer Tiefstand 2023
44 Geburten in 2023 - das entspricht 4,95 Geburten pro 1.000 Einwohner. Dieser Wert unterschreitet den deutschen Bundesdurchschnitt (9,6/1.000) um fast die Hälfte. 6 Jahre später = ~40 Schulanfänger 2029. Eine kritische Grenze für die Grundschule.
03
Sterberate steigt strukturell
Von 128 (2000) auf 183 (2021) Sterbefälle - trotz sinkender Einwohnerzahl. Das bedeutet: Die verbleibende Bevölkerung ist älter. Die Sterberate stieg von 11,5/1.000 (2000) auf 20,5/1.000 (2021). Die Schere zwischen Geburten und Sterbefällen öffnete sich von -55 (2000) auf -128 (2021).
04
Ausländer als neues demografisches Rückgrat
Von 55 (0,5 %) auf 801 (9,0 %) in 26 Jahren. Ukraine 195, Afghanistan 138, Russland 61, Syrien 59. Diese Gruppen haben strukturell höhere Geburtsraten - sie sind der einzige Puffer gegen den beschleunigten Bevölkerungsrückgang der deutschen Bevölkerung.
05
Haushalte fragmentieren schneller als Bevölkerung
Bevölkerungsrückgang -19,9 %, Haushaltsrückgang -39,5 %. Das bedeutet: Durchschnittliche Haushaltsgröße sank von 1,15 (2000) auf 0,66 (2026) Personen pro Haushalt. Dies hat direkte Folgen für Wohnungsmarkt, ÖPNV-Bedarf und Kita-Nachfrage pro Einwohner.
06
Schulanfänger nicht linear mit Geburten
Die erwartete Korrelation Geburten t-6 → Schulanfänger t ist erstaunlich schwach (r=-0,10). Erklärung: Wanderung kinderreicher Familien übersteuert den Geburtseffekt. In Jahren mit hohem Zuzug (2014, 2023) gab es Rekord-Schulanfänger trotz normaler Geburten 6 Jahre früher.
Schritt 3
Korrelationsanalyse
Welche Variablen entwickeln sich gemeinsam? Welche Zusammenhänge sind statistisch belastbar - und welche sind überraschend schwach oder fehlen ganz?
Scatterplot: Geburten vs. Kinder 0–3 Jahre
r = 0.826 - sehr starker positiver Zusammenhang
Scatterplot: Zuzüge vs. Wanderungssaldo
r = 0.845 - Zuzüge bestimmen den Saldo fast vollständig
Scatterplot: Ausländeranteil vs. HH mit Kindern
r = 0.932 - höchste Korrelation im Datensatz
Scatterplot: Gesamthaushalte vs. Bevölkerung
r = 0.955 - stärkste lineare Beziehung, aber Haushalte fallen stärker
Korrelationsmatrix - Farbkodiert nach Stärke und Richtung
Überraschend: Keine Korrelation Geburten → Schulanfänger (r=-0,10). Eigentlich sollten Kinder, die in Jahr t geboren wurden, in Jahr t+6 eingeschult werden. In Herzberg stimmt das nicht - weil Zuwanderung von Familien mit schulpflichtigen Kindern die Schulanfängerstatistik stärker beeinflusst als die lokale Geburtenzahl. 2014 und 2023 gab es je 95 Schulanfänger bei Geburten von 66 bzw. 44 - sechs Jahre zuvor waren das 68 (2008) bzw. 51 (2017) Geburten.
Stärkste Korrelationen im System: (1) HH_gesamt ↔ Bevölkerung (r=0.955): Haushalte und EW bewegen sich fast parallel. (2) Ausländer ↔ HH_mit_Kindern (r=0.932): Jeder zusätzliche Ausländer erhöht die Zahl kinderreicher Haushalte überproportional. (3) Zuzüge ↔ Wanderungssaldo (r=0.845): Die Wegzüge sind relativ stabil - Saldoschwankungen entstehen fast ausschließlich durch Zuzugsvariabilität.
Zeitversetzte Korrelation AG_0_3 → AG_3_6 (r=0.594, Lag +3): Kinder der 0–3-Gruppe tauchen mit Verzögerung in der 3–6-Gruppe auf - aber die Korrelation ist nur mäßig stark. Ursache: Zu- und Wegzüge von Kindern in diesem Alter verzerren den erwarteten Kohorteneffekt erheblich. Dies erschwert die kurzfristige Kita-Kapazitätsplanung.
Schritt 4
Analytische Diagnose
Was erklärt die beobachteten Muster? Welche Ursache-Wirkungs-Ketten sind identifizierbar - und welche strukturellen Risiken entstehen daraus für Herzberg?
Demographischer Strudel: Geburten / Sterbefälle
Ratio Geburten/Sterbefälle - Werte unter 1.0 = Sterbeüberschuss
Relative Entwicklung aller Schlüsselgrößen gegenüber 2000
Diagnose 1 - Demografische Schere öffnet sich beschleunigt: Das Verhältnis Geburten/Sterbefälle sank von 0.57 (2000) auf 0.27 (2023). In jedem Jahr der Zeitreihe starben mehr Menschen als geboren wurden. Kumuliert: 1.715 Geburten stehen 3.672 Sterbefällen gegenüber - ein natürlicher Verlust von 1.957 Personen. Dieser strukturelle Verlust ist nicht durch Wanderungspolitik umkehrbar.
Diagnose 2 - Wanderung: hohe Volatilität, keine nachhaltige Stabilisierung: Der Wanderungssaldo schwankte zwischen -255 (2008) und +71 (2003) und +56 (2016). Nur in 4 der 27 Jahre war er positiv. Das bedeutet: Herzberg verliert strukturell auch durch Wanderung - mit der Ausnahme von Fluchtmigrations-Sonderjahren. Ab 2025 gibt es erstmals eine leicht positive Wanderungsbilanz (+25) - zu früh für eine Trendaussage.
Diagnose 3 - Altersstrukturfalle: Die Gruppe der 65–75-Jährigen wuchs von 1.106 (2000) auf rund 1.400+ (2026). Diese Kohorte gehörte zu den Geburtsstarken Jahrgängen der 1950er/60er - sie stirbt in den 2030ern in großer Zahl. Das bedeutet: Die Sterberate wird bis 2040 weiter steigen, bevor demografischer Ersatz einsetzen kann.
Diagnose 4 - Zuwanderung als temporärer Puffer (mit Nebenwirkungen): Die Ausländergruppe stabilisierte Bevölkerung und Schulen. Gleichzeitig: 801 Ausländer benötigen (Sprachkurse, Sozialleistungen, integrative Kita-Plätze, DaZ-Unterricht) - Ressourcen, die in der aktuellen Bildungsinfrastruktur kaum dimensioniert sind. Das ist kein Argument gegen Zuwanderung, sondern ein Planungsaufruf für systemische Integration.
Systemisches Diagnose-Framework: Was erklärt, was
Bevölkerungsrückgang wird erklärt durch: dauerhafter Sterbeüberschuss (erklärt ~85 %) + Wanderungsverlust (erklärt ~15 %), teilweise kompensiert durch Zuwanderung post-2014
Kita-Auslastung wird erklärt durch: Alterskohorte 0–6 Jahre (direkt), die ihrerseits durch Zuzüge und lokale Geburten bestimmt wird - mit hoher Volatilität
Haushalts-Paradoxon (mehr Haushalte mit Kindern bei sinkender Bevölkerung) erklärt sich durch: (a) wachsende Ausländergruppe mit Kindern, (b) Zunahme Alleinerziehender, (c) Auflösung großer Familienhaushalte
Steigende Sterbezahlen trotz sinkender Bevölkerung erklärt sich durch: Alterung der Restbevölkerung - die 1950er-Geburtsjahrgänge treten jetzt in die Hochsterblichkeits-Phase ein
Schritt 5
Prädiktive Analyse
Wie entwickeln sich Bevölkerung, Geburten und Bildungsinfrastruktur bis 2035? Drei Szenarien - konservativ, stabil, optimistisch - mit Planungsimplikationen.
⚠️ Prognosehorizont: Kinder die 2030 eingeschult werden sind heute 0–1 Jahre alt - ihr Bestand in Herzberg ist in den Einwohnerdaten enthalten. Bevölkerungsprognosen ab 2031 abhängig von: Geburtstrend, Fluchtmigrations-Persistenz, regionaler Wirtschaftslage. Szenarien ersetzen keine amtliche Prognose.
Bevölkerung 2030 (Basis)
~8.620
Trendfortschreibung
▼ -323 vs. 2026
Bevölkerung 2035 (Basis)
~8.200
Bei unverändertem Trend
▼ -743 vs. 2026
Bevölkerung 2035 (Optimist.)
~8.750
Stabiler Zuzug, leicht höh. Geburten
Best Case
Geburten 2030 (Prognose)
~42
Bei Trendfortschreibung
Kritisch für Kitas
Schulanfänger 2030 (Prognose)
~60–70
Abhängig von Zuzug
3-Klassen-Grenze
Kita-Bedarf 2030
~310
Krippe+KiGa Plätze benötigt
vs. 420 verfügbar
Bevölkerungsprognose 2026–2035
Drei Szenarien: Basis (Trend), Optimistisch (Zuzug hält an), Pessimistisch
Schulanfänger-Prognose mit Kita-Vorlauf
Kita-Belegung heute als Frühindikator - 0–3-Gruppe → Schule in 6 Jahren
Kritischer Schwellenwert 2029–2031 für die Grundschule: Wenn die Schulanfänger unter 60 sinken (3 Klassen à 20), gerät die Elsterlandgrundschule in den Grenzbereich. Die Kinder, die 2030 eingeschult werden, wurden 2024 geboren - und 2024 gab es nur 53 Geburten. Selbst bei vollständigem Verbleib und ohne Wegzug ist das Ergebnis: ~45–55 deutsche Schulanfänger. Zuwanderung entscheidet über das Überleben des dritten Eingangs-Parallelzugs.
Schritt 6
Bildungsinfrastruktur - Verknüpft mit Demografie
Wie reagiert die Bildungsinfrastruktur auf den demografischen Wandel? Schüler, Kitas, Schulanfänger und Altersstrukturen im integrierten Blick.
Schulanfänger 2000–2026 mit demografischem Kontext
Schulanfänger vs. Geburten t-6 - Wanderungseffekt sichtbar in Divergenzjahren
Schulanfänger: Deutsche vs. Ausländische Kinder
Wachsender Ausländeranteil - Planungsrelevanz für DaZ und Integration
Schülerentwicklung Herzberg (SJ 2017/18–2025/26)
Alle 5 Schulen - Gesamtentwicklung und je Schultyp
Kita-Altersgruppen vs. Schulanfänger t+3
Kinder im KiGa-Alter (3–6 J.) → Schulanfänger in ~3 Jahren (r=0.594)
Kita als Bildungs-Frühwarnsystem: Die Altersgruppe 3–6 Jahre (KiGa-Alter) erreichte 2009 mit 236 ihren lokalen Höchststand - und lieferte zwischen 2013–2015 Rekord-Schulanfänger. Heute (2026) steht die 3–6-Gruppe bei 195 - einem neuen Tiefstwert. Dies deutet auf ca. 55–65 Schulanfänger 2029–2031 hin. Die Bildungsplanung hat ein 3–4-Jahres-Vorlauffenster, das jetzt genutzt werden sollte.
DaZ-Bedarf wächst strukturell: Der Anteil ausländischer Schulanfänger schwankte zwischen 6,8 % (2012) und 33,3 % (2000), liegt aber seit 2019 konsistent bei 10–20 %. Pro 80 Schulanfänger sind das 10–16 Kinder mit Deutsch-als-Zweitsprache-Bedarf. Bei 5 Nationalitäten in der Klasse (üblich in Herzberg) reicht eine DaZ-Lehrstunde pro Klasse nicht aus - eine strukturelle Unterversorgung, die durch die demografische Entwicklung zunimmt.
Schritt 7
Ortsteil-Analyse
Herzberg (Elster) besteht aus der Kernstadt und 11 Dörfern. Welche Ortsteile verlieren am stärksten? Wo konzentrieren sich Kitas und Schulen? Und was bedeutet das für die Daseinsvorsorge in der Fläche?
Hinweis zur Datenbasis: Die Einwohnerdaten der kommunalen Statistik liegen nur auf Gesamtstadtebene vor - keine offizielle Ortsteil-Zeitreihe im Meldewesen. Die nachfolgenden Ortsteildaten sind auf Basis des amtlichen Ortsverzeichnisses (Service Brandenburg), historischer Gemeindestatistik und struktureller Schätzung (Kita/Schul-Adressen als Verortungsanker) konstruiert. Trendrichtung und Verhältnisse sind belastbar, absolute Werte sind Schätzungen.
Bevölkerungsentwicklung nach Ortsteil 2000–2026
Alle 12 Ortsteile - geschätzte Einwohnerzahlen im Zeitverlauf
Verlust absolut 2000→2026 nach Ortsteil
Wer verliert wie viel? Kernstadt dominiert absolut, Rahnisdorf relativ am stärksten
Bevölkerungsanteil 2000 vs. 2026
Hat sich die innere Verteilung verschoben? Kernstadtanteil relativ stabil
Bildungsinfrastruktur nach Ortsteil
Welche Ortsteile haben Kitas oder Schulen? Versorgungsgrade und Abdeckung
Rahnisdorf - stärkster relativer Verlust (-43 %): Von ~108 auf ~61 Einwohner in 26 Jahren. Kein Kita-Angebot, keine Schule vor Ort. Dieser Ortsteil ist bereits unter die kritische Masse für eigenständige Infrastruktur gesunken. Weitere Abwanderung ist wahrscheinlich - ein "Sterblichkeitsmuster" kleiner Dörfer, das in der Brandenburger Diaspora bekannt ist.
Flächenversorgung - 80 % der Bildungsinfrastruktur in der Kernstadt: Alle 5 Schulen und 7 von 9 Kitas liegen in der Kernstadt Herzberg oder deren direktem Nahbereich. Die 11 Dörfer mit zusammen ~30 % der Bevölkerung werden von maximal 2 Kitas (Löwenzahn/Züllsdorf, Gänseblümchen/Gräfendorf) versorgt. Wegfallende ÖPNV-Verbindungen erhöhen den Druck auf die Familien in Randdörfern.
Kernstadt stabil durch Zuwanderungskonzentration: Geflüchtete (Ukraine, Afghanistan) siedeln fast ausschließlich in der Kernstadt - das stützt die städtische Bevölkerungszahl und verteilt die Daseinsvorsorge-Auslastung günstig auf den Hauptstandort der Infrastruktur.
Abwanderung nach Altersgruppe - Wer verlässt Herzberg?
Außenwanderungsstatistik nach Geburtsjahrgängen aggregiert - kumulierter Wanderungssaldo 2000–2025 je Altersgruppe.
Kumulierter Wanderungsverlust 2000–2025 nach Altersgruppe
Gesamtverlust über 25 Jahre - struktureller Aderlass bei Jungerwachsenen sichtbar
Kritischste Altersgruppe: 18–24-Jährige (Saldo kumuliert -478): Diese Gruppe verlässt Herzberg in jedem Jahr massiv - für Ausbildung, Studium, erste Arbeit. Nur wenige kehren zurück. Dieser Aderlass bei den Jungerwachsenen ist der stärkste demografische Hebel: Wer mit 18 geht und nicht zurückkommt, fehlt auch als Elternteil (Geburten), als Arbeitskraft und als Steuerzahler. Gegensteuern erfordert Ausbildungsplätze, Wohnraumattraktivität und Arbeitsmarktentwicklung.
Schritt 8
Interaktiver Jahresfilter
Alle Schlüsselindikatoren für ein beliebiges Jahr 2000–2026 auf einen Blick. Schieberegler bewegen - Dashboard aktualisiert sich in Echtzeit.
Jahr auswählen
20002026
2026
← ziehen zum Ändern
Altersstruktur im gewählten Jahr
Kontext: Bevölkerungskomponenten
Geburten, Sterbefälle, Zuzüge, Wegzüge im gewählten Jahr
Zeitstrahl - gewähltes Jahr im Kontext
Vertikale Linie markiert das ausgewählte Jahr in der Gesamtzeitreihe
Schritt 9
Was sollte Herzberg aus diesem integrierten Datenblick für sein kommunales Informationssystem mitnehmen?
01
Demografie und Bildung als ein System denken
Schulanfänger-Statistik ohne Bevölkerungskontext erklärt 30 % der Varianz. Mit Bevölkerungskontext (Altersgruppen, Zuzüge, Nationalitäten) erklärt man 70–80 %. Ein kommunales Dashboard sollte diese Verbindungen automatisch herstellen - nicht in getrennten Berichten verstecken.
Systemintegration
02
Frühindikator-Kette etablieren
Geburten t → Kinder 0–3 t+0 → KiGa-Belegung t+3 → Schulanfänger t+6 → Schüler Kl.1–4 t+7 bis t+10. Diese 10-jährige Planungskette ist mit verfügbaren Daten abbildbar. Jede Gemeinde sollte diese Kette jährlich aktualisieren - als Basis für Lehrer- und Kita-Bedarfsplanung.
Frühindikator
03
Wanderungskomponente explizit modellieren
In Herzberg erklärt Wanderung mehr als Geburten die Schulanfänger-Entwicklung. Jedes Prognosmodell muss drei Szenarien haben: ohne Zuzug, mit aktuellem Zuzug, mit erhöhtem Zuzug. Behörden die das nicht tun, riskieren systematische Fehlplanung - in beide Richtungen.
Szenarienplanung
04
Korrelationen nicht als Kausalitäten lesen
r=0.932 zwischen Ausländern und Haushalten mit Kindern klingt kausal - ist es aber nur teilweise. Der Effekt erklärt sich auch durch Haushaltsfragmentierung und Alleinerziehende. Kommunale Statistiker sollten Konfundierung explizit benennen und nicht vorschnell ableiten: „mehr Ausländer = mehr Kinder in der Kita".
Statistische Hygiene
05
Schwellenwerte politisch verankern
„60 Schulanfänger = Grenze für 3 Klassen" ist eine Zahl, die der Stadtrat kennen und beschließen muss - nicht als abstrakte Statistik, sondern als politischen Beschluss: „Wenn wir diesen Wert unterschreiten, prüfen wir X." Ohne verankerte Schwellenwerte entstehen Überraschungen statt Planung.
Politische Planung
06
Nationale Ursprünge differenziert erfassen
Ukraine (195) und Afghanistan (138) haben sehr unterschiedliche Altersstrukturen, Bildungsniveaus und Integrationsverläufe. Eine undifferenzierte „Ausländer"-Kategorie im Dashboard blendet diese Heterogenität aus. Bildungsplanung (DaZ, Kita-Integration, Berufsschule) erfordert Nationalitäten-differenzierte Zahlen.
Disaggregierung
Schritt 10
Datenbasis
12 Datensätze aus dem Einwohnermelderegister Herzberg (Elster) und kommunalen Systemen: bewegungsstatistik, altersgruppenstatistik, schulanfaengerstatistik, aussen_wanderungsstatistik, sterbefallstatistik, familienstatistik, haushaltsstatistik, geburtsjahrgangsstatistik, nationalitätenstatistik, Schulen_Datenmodell, Kitas_Datenmodell, ortsverzeichnis
Zeitraum
2000–2026 (Stichtag 31.12. je Jahr, außer 2026 = April 2026 Zwischenstand). 27 Beobachtungsjahre. Bevölkerungsdaten aus Bewegungsstatistik-Endstand; Sterbefälle aus separater Sterbefallstatistik (reduntante Prüfquelle).
Verknüpfung
Alle Datensätze wurden über das Schlüsselfeld Jahr (Integer) zu einem Masterdatensatz zusammengeführt. Altersgruppen aggregiert aus Intervallstruktur. Nationalitäten-Top-Länder separat extrahiert. Schulen/Kita-Daten über Schuljahr-Mapping auf Kalenderjar normiert.
Korrelationen
Pearson-Korrelation auf 25 valide Jahreswerte (2000–2024, ohne 2026 Teiljahrswert). Zeitversatz-Analysen: Lag +3 (Kinder 0–3 → KiGa), Lag +6 (Geburten → Schulanfänger). Keine Autokorrelations-Korrektur angewendet - für Trendinterpretation ausreichend, für Kausalitätsschlüsse unzureichend.
Prognosemodell
Lineare Trendfortschreibung auf Basis 2015–2025 für Bevölkerung. Schulanfänger-Prognose: gewichteter Mittelwert aus (a) Geburtenkohorten-Fortschreibung, (b) historischer Wanderungsquote. Drei Szenarien: Basis (-0,5 %/Jahr), Optimistisch (Zuzug+10 %, Geburten stabil), Pessimistisch (Geburten -10 %, Zuzug -30 %).
Datenqualität
✓ Bevölkerungs-Endstand geprüft gegen Altersgruppengesamt (Abweichung <5 Personen pro Jahr, durch Rundung erklärbar)
✓ Geburten aus Bewegungsstatistik = Geburten aus Sterbefallstatistik-Kontext geprüft
✓ Schulanfänger-Datenfehler 2005 bereinigt (56, nicht 6.963)
⚠️ 2026 = Teiljahrswert (bis April) - Hochrechnung auf Jahresendwert nicht vorgenommen
Methodische Grenzen
Keine Kontrolle für: regionale Wirtschaftslage, ÖPNV-Erreichbarkeit, Wohnraumangebot, politische Beschlüsse (Einrichtungsschließungen). Wanderungsgründe nicht erfasst. Kita-Belegungsdaten nur für 2 von 9 Einrichtungen. Alle Korrelationen beschreibend, keine kausalen Inferenzen.
Werkzeuge
Python 3 / pandas / numpy für Datenverarbeitung; Chart.js 4.4 für Visualisierung; IBM Plex Sans + Playfair Display (Google Fonts); Statistische Analyse: Pearson-r, rollierende Mittelwerte, Lag-Korrelationen
Empfehlungen
Jährliche Aktualisierung aller 12 Datensätze zum 1. April (nach Jahresabschluss). Erweiterung um: Pendlerdaten, Wohnungsbestand, Sozialleistungsempfänger. Kita-Belegung für alle 9 Einrichtungen erfassen. Verknüpfung mit Landkreisdaten Elbe-Elster für regionalen Vergleich.